14.05.2024
Zukunftsfabrik für Kleinsatelliten in Würzburg – wird Würzburg und Europa abgehängt?

Sichtlich beeindruckt war der Landtagsabgeordnete Felix von Zobel (FW) aus Ochsenfurt beim Besuch von Prof. Dr. Schilling im Zentrum für Telematik (ZfT) auf dem Würzburger Hubland. Prof Schilling, Vorstand der ZfT, ist ein international renommierter Wissenschaftler mit einer ganzen Reihe von Auszeichnungen. Das ZfT ist einer der europäischen Pioniere im Bereich der Kleinstsatellitenformationen und gilt als national führendes Forschungsinstitut auf diesem Gebiet. Es gibt bereits mehrere vom ZfT koordinierte Leuchtturmprojekte im internationalen Bereich. Kern der Arbeit ist die Entwicklung von praxistauglichen, interdisziplinären Lösungen aus den Teilgebieten Telekommunikation, Automatisierung und Informatik – und dies speziell auch auf dem Fachgebiet der Raumfahrt. Und hier geht es vor allem um die Anwendung von Kleinstsatelliten in Schwärmen. Diese Teams aus mehreren zusammenarbeitenden Satelliten in Schuhkartongröße eröffnen das Potential für einen Paradigmenwechsel von großen, teuren Satelliten zu Formationen von verteilten, kostengünstigen Kleinstsatelliten, so dass eine wesentlich schnellere und flexiblere für Aufgaben in der Erdbeobachtung und Telekommunikation als Basis für Digitalisierungsanwendungen möglich wird. Diese Tendenz zu Miniaturisierung und Cloud-Zusammenarbeit ist ein internationaler Trend mit Megawachstumschancen, wie mehrere renommierte Zukunftsforscher und Wirtschaftsinstitute vorhersagen.

Der nächste Schritt auf dem Weg in die industrielle Umsetzung wäre es nun, eine Forschungsfabrik zu errichten, in welcher die Grundlagen für eine Serienproduktion erarbeitet, getestet und optimiert werden können. Dies gibt es bisher in Europa noch nicht, dagegen werden wirtschaftlich vielversprechende Themen in diesem Bereich von US-amerikanischen und chinesischen Firmen schon besetzt. Beim ZfT ist der Startschuss dazu bereits im Oktober 2022 erfolgt, als im Wettbewerb um die vom Bundestag dafür genehmigten Sondermittel der Großteil an das ZfT vergeben wurde und so bereits die Arbeit aufgenommen werden konnte. Hier wurde vor allem Personal und Geräte gefördert. Auch von Bayern wurden schon Satelliten für Biomonitoring, vor allem für die Forstwirtschaft beauftragt. Jedoch: Um die „Forschungsfabrik Kleinsatelliten“ wirklich in Gang zu bekommen, wird dringend ein entsprechendes geeignetes Gebäude für anspruchsvolle und komplexe Weltraumtests benötigt, wie es in anderen Ländern wie USA und China bereits strategisch gefördert wird. Die dafür benötigten 60 Millionen Euro sind längst bei der Staatsregierung beantragt. „Aber die wartet leider immer noch ab – obwohl der europäische Bedarf klar ist und das Projekt seitens Industrie, Wissenschaft und Politik eine breite Unterstützung hat!“ schildert Prof. Schilling die aktuelle Situation. „Hier besteht durch die Forschungsvorarbeiten der letzten Jahre noch die Chance für Würzburg und Bayern, in diesem enormen wirtschaftlichen Wachstumsmarkt in aussichtreichen Bereichen mit dabei zu sein. Es wird vorhergesagt, dass er die Größenordnung der weltweiten Automobilindustrie in den nächsten 20 Jahren einnehmen wird. Aber der Zug fährt gerade ab.“ Denn Länder wie China und die USA haben die Zeichen der Zeit auch schon erkannt und investieren hier massiv, so dass der teilweise noch bestehende Vorsprung jeden Tag weiter schwindet und die vielversprechendsten Zukunftsbereiche für künftige Arbeitsplätze durch zu langes Abwarten woanders in der Welt realisiert werden.

Dies sieht auch Felix von Zobel so: „Bayern will das ‚Space Valley Europas‘ sein und gibt hier bereits viel Geld aus. Aber eine Konzentration in Oberbayern, d. h. eine Vernachlässigung des innovativen Forschungsstandorts Würzburg ist nicht akzeptabel, zumal hier die entscheidende Pionierarbeit geleistet wurde und weiterverfolgt wird – und außerdem die bewährte Kooperation und Vernetzung mit der Uni Würzburg sowie der regionalen Wirtschaft besteht.“ Die Planungen seien schon gemacht, man könne sofort loslegen, ergänzt Prof. Schilling. Felix von Zobel will sich in München für eine baldige, positive Entscheidung einsetzen, damit die „Forschungsfabrik Kleinsatelliten“ zügig in die nächste Phase eintreten kann. Es wäre eine wesentliche Stärkung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts Würzburg – und auch Bayern wäre dann bei diesem Hightech-Wettlauf um zukunftsorientierte Arbeitsplätze mit großer Ausstrahlung generell auf fortgeschrittene Industrieproduktion wieder gut im Rennen.

 

BU: Prof. Schilling zeigt Felix von Zobel das Labor sowie einen der Kleinsatelliten.

Text und Foto: Richard Wagner